Der ausgebildete Arzt Dr. Philipp Rösler ist neuer Gesundheitsminister. In seiner Antrittsrede, am 12. November 2009, sagte der FDP-Minister vor dem Deutschen Bundestag unter anderem folgenden Satz:
„Ich habe angefangen, Medizin zu studieren, weil ich mit Menschen zu tun haben wollte, die sich auch so benehmen. Nach meinem Studium musste ich feststellen, dass Qualitätssicherungsbögen und Arbeitsdokumentationen offensichtlich wichtiger sind als die Qualität und die Arbeit am und mit den Menschen. Da habe ich mich entschieden, in die Politik zu gehen, die Bürokratie zu beenden und endlich mehr Zeit für Menschen zu schaffen.“
Damit spricht er den Pflegenden und Ärzten in Deutschland aus der Seele. Wir sind gespannt, ob den schönen Worten auch Taten folgen. Herr Rösler meint dazu übrigens (in der gleichen Rede zur Opposition): „wenn es einfach wäre, dann hätten ja auch Sie regieren können.“
Vielen Dank für die Info an Claudia Knab, Pflegedirektorin am Bezirkskrankenhaus Landshut.
Wie motiviert man Menschen dazu ihr Verhalten zu ändern?
In einem neuen Volkswagen-Spot wird ein wirksames und kreatives Führungsmodell vorgestellt. Der Film zeigt, wie sinnvolle Ziele mit etwas Spaß oft leichter erreicht werden können. Das vorgestellte Managementmodell könnte man als „Führen mit Spaß“ (Management by Fun) bezeichnen. Es basiert auf der für den Film entwickelten „Fun Theory“.
Für Leitungskräfte, wie Stationsleitungen oder Pflegedienstleitungen, ist sie eine hilfreiche Ergänzung zum „Führen mit Zielen“. Alles was man als Leitungskraft dazu braucht ist ein bisschen Kreativität und Humor.
Winstanley und Whittington (2004) untersuchten aggressive Patientenübergriffe in Allgemeinkrankenhäusern. Die Vorfälle geschahen meist bei der Körperpflege oder anderen Situationen, bei denen Patienten Eingriffe erlebten. Nach Auswertung ihrer Interviews kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Patienten möglicherweise mehr Zeit brauchen, um sich auf die jeweilige Situation einzustellen.
Die Mitarbeiter beschrieben häufig Situationen, in denen Patienten zuvor durch ihr Verhalten überrascht, verängstigt oder frustriert wurden. Möglicherweise entstehen einige aggressive Übergriffe in Allgemeinkrankenhäusern einfach dadurch, dass die Patienten nicht verstehen, was passiert. Das aggressive Verhalten wäre dann vor allem eine Abwehrreaktion des Patienten, die vermieden werden könnte, wenn man dem Patienten ausreichend Zeit lässt zu verstehen, was jetzt von ihm erwartet wird.
Quelle: Winstanley, S., & Whittington, R. (2004). Aggressive encounters between patients and general hospital staff: Staff perceptions of the context and assailants’ levels of cognitive processing. Aggressive Behavior, 30(6), 534-543.
Wie versprochen, hier ein kleiner Bericht von den Augsburger Psychiatriepflegetagen am 25. und 26. Juni 2009. Christoph Abderhalden berichtete in einem interessanten Beitrag über eine Studie zur Bezugspflege in der Psychiatrie. Ergebnis: Die Patientenzufriedenheit auf den untersuchten Stationen hängt mehr von den wahrgenommenen Kompetenzen der Bezugspflegeperson ab, als vom Bezugspflegesystem.
In der von Abderhalden vorgelegten Studie gaben 70 % bis 81 % der befragten psychiatrischen Patienten an, dass Ihnen während des Aufenthalts eine Bezugspflegeperson zugeordnet war. In der Studie gab es auch zwei Stationen, die nachweislich kein Bezugspflegesystem hatten. Dennoch gaben 33 % der auf diesen Stationen behandelten Patienten an, dass ihnen eine Bezugspflegeperson zugeordnet war. Hier wird deutlich, dass Bezugspflege offenbar mehr ist, als ein System.
In einer anschließenden Baumanalyse ergaben sich folgende interessante Befragungsergebnisse:
Patienten mit Bezugspflege sind eindeutig zufriedener, als solche, die keine Bezugspflege erleben.
Die Zufriedenheit der Patienten ist dann am höchsten, wenn die Bezugspflegeperson als Hilfe bei der individuellen Problemlösung wahrgenommen wird und Verständnis für die individuelle Situation des Patienten vermittelt.
Die Zufriedenheit der Patienten mit Bezugspflege ist sogar geringer als die ohne Bezugspflege, wenn keine Hilfen zur Problemlösung und kein Verständnis wahrgenommen wird!
Für psychiatrische Patienten sind also die Kompetenzen, die sie bei ihren Pflegenden wahrnehmen entscheidend für ihre Zufriedenheit. Psychiatrisch Pflegende sollten daher offenbar mehr Energie in die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen zum individuellen Verstehen (Hermeneutik) und zu Hilfen bei der Problemlösung verwendent. Die Person ist in der Bezugspflege wichtiger, als ein ausgeklügeltes System, das sämtliche Hürden des Qualitätsmanagements souverän umschifft hat. Abderhalden formulierte das Ergebnis seiner Untersuchung salopp: „Lieber keine Bezugspflege, als eine schlechte!“