Wie motiviert man Menschen dazu ihr Verhalten zu ändern?
In einem neuen Volkswagen-Spot wird ein wirksames und kreatives Führungsmodell vorgestellt. Der Film zeigt, wie sinnvolle Ziele mit etwas Spaß oft leichter erreicht werden können. Das vorgestellte Managementmodell könnte man als „Führen mit Spaß“ (Management by Fun) bezeichnen. Es basiert auf der für den Film entwickelten „Fun Theory“.
Für Leitungskräfte, wie Stationsleitungen oder Pflegedienstleitungen, ist sie eine hilfreiche Ergänzung zum „Führen mit Zielen“. Alles was man als Leitungskraft dazu braucht ist ein bisschen Kreativität und Humor.
Winstanley und Whittington (2004) untersuchten aggressive Patientenübergriffe in Allgemeinkrankenhäusern. Die Vorfälle geschahen meist bei der Körperpflege oder anderen Situationen, bei denen Patienten Eingriffe erlebten. Nach Auswertung ihrer Interviews kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Patienten möglicherweise mehr Zeit brauchen, um sich auf die jeweilige Situation einzustellen.
Die Mitarbeiter beschrieben häufig Situationen, in denen Patienten zuvor durch ihr Verhalten überrascht, verängstigt oder frustriert wurden. Möglicherweise entstehen einige aggressive Übergriffe in Allgemeinkrankenhäusern einfach dadurch, dass die Patienten nicht verstehen, was passiert. Das aggressive Verhalten wäre dann vor allem eine Abwehrreaktion des Patienten, die vermieden werden könnte, wenn man dem Patienten ausreichend Zeit lässt zu verstehen, was jetzt von ihm erwartet wird.
Quelle: Winstanley, S., & Whittington, R. (2004). Aggressive encounters between patients and general hospital staff: Staff perceptions of the context and assailants’ levels of cognitive processing. Aggressive Behavior, 30(6), 534-543.
Wie versprochen, hier ein kleiner Bericht von den Augsburger Psychiatriepflegetagen am 25. und 26. Juni 2009. Christoph Abderhalden berichtete in einem interessanten Beitrag über eine Studie zur Bezugspflege in der Psychiatrie. Ergebnis: Die Patientenzufriedenheit auf den untersuchten Stationen hängt mehr von den wahrgenommenen Kompetenzen der Bezugspflegeperson ab, als vom Bezugspflegesystem.
In der von Abderhalden vorgelegten Studie gaben 70 % bis 81 % der befragten psychiatrischen Patienten an, dass Ihnen während des Aufenthalts eine Bezugspflegeperson zugeordnet war. In der Studie gab es auch zwei Stationen, die nachweislich kein Bezugspflegesystem hatten. Dennoch gaben 33 % der auf diesen Stationen behandelten Patienten an, dass ihnen eine Bezugspflegeperson zugeordnet war. Hier wird deutlich, dass Bezugspflege offenbar mehr ist, als ein System.
In einer anschließenden Baumanalyse ergaben sich folgende interessante Befragungsergebnisse:
Patienten mit Bezugspflege sind eindeutig zufriedener, als solche, die keine Bezugspflege erleben.
Die Zufriedenheit der Patienten ist dann am höchsten, wenn die Bezugspflegeperson als Hilfe bei der individuellen Problemlösung wahrgenommen wird und Verständnis für die individuelle Situation des Patienten vermittelt.
Die Zufriedenheit der Patienten mit Bezugspflege ist sogar geringer als die ohne Bezugspflege, wenn keine Hilfen zur Problemlösung und kein Verständnis wahrgenommen wird!
Für psychiatrische Patienten sind also die Kompetenzen, die sie bei ihren Pflegenden wahrnehmen entscheidend für ihre Zufriedenheit. Psychiatrisch Pflegende sollten daher offenbar mehr Energie in die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen zum individuellen Verstehen (Hermeneutik) und zu Hilfen bei der Problemlösung verwendent. Die Person ist in der Bezugspflege wichtiger, als ein ausgeklügeltes System, das sämtliche Hürden des Qualitätsmanagements souverän umschifft hat. Abderhalden formulierte das Ergebnis seiner Untersuchung salopp: „Lieber keine Bezugspflege, als eine schlechte!“
Die Last mit der Beurteilung in der Praxisanleitung
Viele Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter in Pflegeberufen stehen am Ende des Schülereinsatzes immer vor der schwierigen Aufgabe der Beurteilung. Die Pflegeschulen geben ihnen dazu vorgefertigte Beurteilungsbögen, in denen verschiedene Dimensionen der Handlungs- und Entscheidungskompetenz, wie Soziale Komeptenz, Personale Kompetenz oder Fach- und Methodenkompetenz beurteilt werden sollen.
Beispiele für solche Beurteilungskriterien aus unterschiedlichen Beurteilungsbögen
Soziale Kompetenz: „Die Schülerin ist in der Lage sich in die Situation anderer Menschen hineinzuversetzen.“
Personale Kompetenz: „Motivation, Interesse, Engagement, Fleiß: (1) zeigt reges und vielseitiges Interesse, stellt sinnvolle und situationsangemessene Fragen, (2) fragt nacht, (3) fragt selten, (4) fragt nicht nach.“
Bei den Beurteilungsniveaus finden sich in der Regel 4 (wie im letzten Beispiel) bis 10 Stufen. Wobei natürlich zu bedenke ist, je mehr Niveaus ich unterscheiden soll, desto schwieriger wird die Beurteilung. Wenn möglich sollten die Beurteilungsniveaus jedoch zumindest eine gerade Zahl ergeben, um der Tendenz zur Mitte zu entgehen. Jeder Bewerter hat wahrscheinlich schon die Erfahrung mit der Tendenz zur Mitte gemacht, man merkt diese Tendenz beispielsweise, wenn man am liebsten einen halben Bewertungsschritt verwenden würde, also z.B. 2,5 statt 2 oder 3.
Fünf Überlegungen vor der Beurteilung
Wie kann man sich als Praxisanleiter nun darüber klar werden was man im jeweiligen Kriterium bewertet. Eine hilfreiche Anregung dazu gibt Thorsten Bohl (2002). Er fordert Beurteiler auf sich folgende Fragen zu überlegen:
Wie kann ich dem Schüler erklären, warum das Beurteilungskriterium wichtig ist?
Wie kann ich für den Schüler verständlich erklären, was ich da beurteile?
Wie kann der Schüler das Kriterium, ggf. mit meiner Unterstützung, einüben?
Was kann wo beobachten, wenn der Schüler das Kriterium erfüllt?
Welche unterschiedlichen Niveaus kann der Schüler zu dem Kriterium erreichen?
Vor allem die letzte Frage ist oft sehr schwer zu beantworten, v.a. wenn, wie in manchen Beurteilungsbögen, zehn Niveaus zu unterscheiden sind, dann stellt sich die Fragen: Wie unterscheiden sich die Niveaus 1 und 10? oder Wie unterscheiden sich die Niveaus 5 und 6? oder 1 und 2? Es wird immer schwieriger begründete Unterscheidungen zu treffen. Daher sind Beurteilungsbögen mit weniger Niveaus meist etwas besser anzuwenden.
Literatur
Bohl, T. (2005). Prüfen und Bewerten im offenen Unterricht (3undefined Aufl.). Weinheim [u.a.]: Beltz.